Eigene Kündigung = Illoyalität zum Chef?

Aus meiner beruflichen Praxis:
Eigene Kündigung = Illoyalität gegenüber dem Chef?

Aus meiner beruflichen Praxis

Häufig erlebe ich es, dass sich BewerberInnen davor scheuen, zu kündigen. Sie haben schon den neuen Anstellungsvertrag in der Tasche, freuen sich auf die neuen Aufgaben, aber dann: Die alte Stelle muss noch gekündigt werden.

„Was wird mein Chef denn machen, wenn ich gehe?“ fragte mich eine Kandidatin. Gemeint war: „Wie soll er das alles ohne mich stemmen?“

Ich fragte mich, ob der Chef dieser Kandidatin wohl ihr gegenüber auch so loyal wäre. Und ob ihm überhaupt bewusst ist, was seine Mitarbeiterin alles gestemmt hat. Denn sie kündigt ja nicht ohne Grund.

Es lauert aber noch eine ganz andere Falle: Die der falschen Interpretation, des „wenn ich (…), dann denkt er/sie bestimmt …“. Stellen Sie sich folgendes vor:

Heute ist ein wunderbarer Tag, Sie wachen erfrischt auf, fühlen sich toll und freuen sich auf den Tag. Die Blicke, die Ihnen auf dem Weg zur Arbeit begegnen, empfinden Sie als freundlich. Sie sind sicher: Die Menschen sind Ihnen wohlgesonnen.

Oder:
Sie wachen auf und wissen: das wird heute nicht mein Tag, hoffentlich ist er bald um. Die Blicke, die Ihnen auf dem Weg zur Arbeit begegnen, empfinden Sie als unangenehm. Sie sind sich sicher: Die Menschen sehen eine graue Maus. Bestimmt denken sie: Was für eine graue Maus…

Stellen Sie sich vor, Sie würden die Menschen fragen, die Ihnen begegnen: Was denken Sie über mich? Sind Sie mir wohlgesonnen? Sehen Sie mich heute als graue Maus?

Über viele Antworten wären Sie sicher sehr überrascht. Und genau so ist es auch beim Kündigen: Sie malen sich Horrorszenarien aus, was da alles kommen könnte. Dabei ist es doch – und zwar für die meisten Chefs -, ganz normal, dass Mitarbeiter kommen und gehen. Dabei gibt es durchaus Chefs, die sich als schlechte Verlierer gebärden. Viele aber nehmen eine Kündigung hin, weil sie einfach zum ganz gewöhnlichen beruflichen Alltag gehört.

Bevor Sie also „weiße Mäuse“ sehen: Packen Sie es an. Sie werden sehen, wie erleichtert Sie sind, wenn Sie gekündigt haben. Vor sich herschieben macht die Hürde nur höher. Und wie Ihr Chef / Ihre Chefin wirklich reagiert, werden Sie erst wissen, wenn Sie gekündigt haben.

Die Kündigung ist immer auch ein Abschied von dem was Ihnen vertraut war. Dass Sie deshalb nervös sind, ist nur natürlich. Aber nun kommt etwas Neues! Erlauben Sie sich, sich darauf uneingeschränkt zu freuen. Wie sagt Hermann Hesse in seinem schönen Gedicht „Stufen“: Und jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne…

 

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