Englisch in Kanzleien – die Messlatte liegt gar nicht so hoch…

Umgangssprachliches Englisch – Business English – Legal English – Verhandlungssicheres Englisch?

Die Bewerberin ist zweisprachig aufgewachsen: Ein Elternteil kommt aus Großbritannien, eines aus Deutschland. Der Wohnsitz der Familie ist in Deutschland. Zuhause wird ebenso Deutsch wie Englisch gesprochen.

Die Bewerberin, gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte, möchte sich beruflich gerne verändern. Ja, so eine internationale Wirtschaftskanzlei würde sie schon reizen. Aber da braucht man ja Business English oder irgendwelche Ausdrücke aus dem Legal English und beides kann sie nicht. Sie kann nur umgangs-sprachliches Englisch. Das jedoch fließend, aber nicht verhandlungssicher, so sagt sie.

British and American flags. Vector illustration.

Ich bin vollkommen überrascht. Denn: Wie kann man Business- oder Legal English lernen, wenn als Grundlage kein umgangssprachliche Englisch vorhanden ist? Nur mit Business- oder Legal English kann man weder ein Gespräch führen noch Korrespondenz verfassen.

Und was möchte sie als ReFa denn verhandeln? Wozu glaubt sie, benötige sie „verhandlungssicheres“ Englisch?

Business English spielt in Kanzleien eine untergeordnete Rolle, denn typische Dinge aus dem Geschäftsalltag finden hier oftmals nicht statt. Es gibt keinen Verkauf, keinen Vertrieb, keinen Im-/Export.

Legal English ist rasch erlernbar, wenn man gute Grundlagen im umgangssprachlichen Englisch hat. Dann gilt es nur noch, sich neue Vokabeln und Formulierungen anzueignen. Und das geschieht ganz einfach im täglichen Tun.

FAZIT: Gute umgangssprachliche Englischkenntnisse, beginnend mit B1 entsprechend dem Europäischen Referenzrahmen für Sprachen, sind im Allgemeinen in Kanzleien ausreichend. Der Schwerpunkt liegt auf dem geschriebenen Wort, gesprochen wird am Telefon meist nur der übliche Smalltalk. Und den kann im Grunde jeder auch auf Englisch.

Die Messlatte liegt also gar nicht so hoch …

(Fotolia_68801688_© sldesign1)

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