Von der Kanzlei in die Rechtsabteilung: Falsche Erwartungen sorgen für Frust beim Seitenwechsel

Hohe Arbeitsbelastung, schlechte Partnerchancen, wenig Freizeit. Es gibt viele Gründe, warum Associates ihre Kanzleien verlassen und ihr Glück in einer Rechtsabteilung suchen. Doch dort erst einmal angekommen, müssen sie schnell lernen: Nicht alles ist in einem Unternehmen besser. Vor allem die Karrierewege sind komplizierter.

Denn im Gegensatz zur Kanzleiwelt gibt es in Unternehmen nur selten klar strukturierte Karrierepfade, deren Etappen bei Erfüllung bestimmter Kriterien nach einer bestimmten Zeit erreicht werden. Kein Wunder also, dass junge Juristen in Unternehmen ihre Karrierechancen flächendeckend weniger positiv bewerten als Associates in Kanzleien. Das belegt auch die jüngste azur-Associateumfrage: Besonders kritisch sahen die Befragten dabei ihre Karrierechancen innerhalb der Rechtsabteilung. Hier stehen ihrer Ansicht nach die Chancen sogar noch schlechter als beim Versuch, eine Karriere im Unternehmen außerhalb des Rechtsteams anzustreben.

 

Foto:Fotolia_62260833_© davis

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Hauptgrund dafür ist die absolute Zahl der Führungspositionen, die in nahezu allen Rechtsabteilungen überschaubar ist und sogar hinter der Equity-Partner-Riege der meisten Kanzleien zurückbleibt. Das lässt sich in Unternehmensstrukturen auch kaum verhindern. Dennoch ist es für die Syndizi, die ihre berufliche Karriere häufig in Kanzleien begonnen und sich an deren leicht durchschaubare Strukturen gewöhnt haben, zunächst einmal ein Kulturschock.

Deshalb haben inzwischen zahlreiche deutsche Rechtsabteilungen die sogenannte Expertenrolle als zweite Karriereoption neben dem klassischen Aufstieg etabliert. Der Experte übernimmt die fachliche Leitung eines bestimmten Rechtsgebiets innerhalb des Unternehmens. Damit erhalten sich die Unternehmen nicht nur die Dynamik und Motivation ihrer Syndizi, sondern können auch von Fachexperten im eigenen Haus profitieren – und damit im Zweifelsfall sogar Kosten für externe Berater sparen. Weitere Karrieremöglichkeiten eröffnen viele Unternehmen ihren Juristen durch deren Versetzung in operative Abteilungen oder ins Ausland.

Eines fällt überdies bei den Bewertungen auf: Der Frust über das vermeintliche Ende der Aufstiegschancen nach dem Wechsel von der Kanzlei ins Unternehmen ereilt häufig die Nachwuchsjuristen, die versuchen, die Kanzlei-Karrieremodelle auf die Firmen zu übertragen. Sie kommen schon mit gänzlich falschen Vorstellungen ins Unternehmen. (Quelle: Juve Newsletter, 03.03.2016)

Die Erfahrung, dass in Rechtsabteilungen das Gras grüner sein kann aber nicht sein muss, machen sicher nicht nur Juristen, sondern auch Rechtsanwaltsfachangestellte oder Anwaltsassistentinnen.

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